Gesundheitsversorgung Fehlerprävention im Gesundheitswesen bleibt ein Top-Thema
Die Stiftung für Patientensicherheit führte vom 28. bis 30. November 2011 die seit Jahren bedeutendste Veranstaltung zu Patientensicherheit, Fehlern in der Gesundheitsversorgung, Fehlerprävention und klinischem Risikomanagement durch.
Der internationale Kongress zeigte, dass Fehler in der Gesundheitsversorgung weiterhin ein zentrales Thema sind.
Die Problematik wird heute konstruktiv diskutiert und die Gesundheitsbranche unternimmt zunehmend Anstrengungen. Die Fehlerprävention bleibt jedoch eine grosse Herausforderung. Die Zeit vereinzelter Pionierlösungen muss durch konsequente Verbesserungsarbeit im Gesamtsystem abgelöst werden. Dies erfordert das noch stärker koordinierte Engagement der Fachleute, der Leistungserbringer und der Politik.
Rund 600 Personen nahmen am internationalen Kongress teil. 90 hochkarätige Referenten aus dem In- und Ausland vermittelten ihr Wissen an die Teilnehmenden. Das Publikum kam aus der gesamten Schweiz, aus Deutschland, Skandinavien, Holland, Österreich, Frankreich, Grossbritannien, USA, Italien und asiatischen Ländern. Alle Berufsgruppen des Gesundheitswesens und der Versorgungssektoren waren vertreten: etliche Meinungsträger und Kaderpersonen aus Ärzteschaft, Pflege, Spitaldirektionen, Verbänden und Verwaltung.
Ist die Patientenversorgung heute sicherer als noch vor 10 Jahren?
Der Kongress wurde von allen relevanten Berufsverbänden des Gesundheitswesens mitgetragen und genoss breite Unterstützung auf politischer Ebene. Pascal Strupler, Direktor des Bundesamtes für Gesundheit und Dr. Carlo Conti, Vorsteher des Gesundheitsdepartementes Basel-Stadt und Vize-Präsident der Schweizerischen Gesundheitsdirektorenkonferenz GDK, eröffneten den Anlass. Bundesrat Didier Burkhalter und GDK-Präsident Pierre-Yves Maillard entrichteten Grussworte.
In über 30 Teilveranstaltungen gingen die Experten und die Teilnehmer kritischen Fragen nach: Wo stehen wir heute in der Fehlerprävention? Wird Patientenversorgung sicherer? Welche Ansätze funktionieren? Genügt die Entwicklung? Wie sind die Verantwortlichkeiten zu definieren und die Wirkungen des Handelns zu evaluieren? Dabei wurden praktisch alle Aspekte der Patientensicherheit angesprochen.
Das Spektrum reichte von der Fehlermessung über diagnostische Fehler, Patientenbeteiligung, Fragen des Designs von Arbeitsumgebungen, Medikationsfehler, Chirurgiefehler, Verbesserungs- und Trainingsmethoden, Fehleranalytik, Spitalinfektionen und den Faktor Mensch bis hin zu rechtlichen Aspekten, Führungsfragen und nationalen Verbesserungsprogrammen.
Punktuelle Verbesserungen in der Patientensicherheit in der Schweiz – eine Verbesserung im grossen Stil ist jedoch noch weit entfernt
Die Pioniere Prof. Charles Vincent aus England und Prof. Robert Wachter aus den USA zeigten, dass die Anstrengungen in den letzten 10 Jahren weltweit zugenommen haben. Die Patientensicherheit wurde dadurch punktuell verbessert, von einer Verbesserung im grossen Stil sind wir jedoch noch weit entfernt, wie Charles Vincent in seinem Referat ausführt. Auch in der Sicherheitskultur wurden wesentliche Entwicklungen eingeleitet: die Schuldfrage steht hier nicht mehr im Vordergrund, wenn es um die Analyse von Fehlern geht. Gleichzeitig wurde aber lange vernachlässigt, dass die persönliche Verantwortlichkeit verstärkt eingefordert werden muss, wo ausreichend Wissen vorhanden ist, was zu tun ist, um Fehler zu verhindern - zum Beispiel in der Prävention von Spitalinfektionen.
Die Leiter grosser nationaler Programme aus Schottland und Schweden (Kevin Rooney und Göran Henriks) zeigten eindrücklich, was erreichbar ist, wenn Verbesserungsprogramme auf nationaler oder regionaler Ebene mit starken Ressourcen und Konsequenz durchgeführt werden. Im Rahmen der nationalen Qualitätsstrategie des Bundes sind Ansätze solcher Programme auch in der Schweiz vorgesehen. Diese wurden von Andreas Faller, Vizedirektor des Bundesamtes für Gesundheit, vorgestellt. Dr. med. Marc-Anton Hochreutener, Geschäftsführer der Stiftung für Patientensicherheit, betont jedoch: „Im Vergleich mit andern Ländern zeichnet sich aber ab, dass die Schweiz deutlich langsamer und mit relativ kleiner Ressourcenausstattung voranschreitet.“
Verleihung der Posterpreise in drei Kategorien
Am Kongress wurden drei Posterpreise vergeben. Der Nachwuchspreis ging an die Kommunikationswissenschaftlerin Annegret Hannawa von der Universität Lugano. Sie erforschte die Auswirkungen nonverbaler Kommunikation von Gesundheitspersonal auf das Verhalten von Patienten, wenn es darum geht, Patienten über Fehler zu informieren. Der Strategie- und Umsetzungspreis ging an den Pathologen Prof. Dr. med. Joachim Diebold vom Luzerner Kantonsspital.
Er verbesserte die Fehlerrate in der Pathologie durch strukturelle und technische Massnahmen und die Vernetzung mit anderen Pathologieinstituten. Der Forschungspreis ging an die Spitalapothekerin Petra Strub und ihre Gruppe aus dem St. Clara Spital und der Universität Basel. Mit einer Kombination aus elektronischer Verordnung, Prozessstandardisierung und Beratung durch klinische Pharmazeuten wurde dort die Fehlerrate in der Krebsbehandlung (Chemotherapie) deutlich gesenkt.
Anstrengungen auf Ebene Gesamtsystem sind nötig
Die Stiftung für Patientensicherheit organisierte mit dieser Veranstaltung eine breite Know-how und Reflexions-Plattform, die Impulse setzen wird, um im Schweizer Gesundheitswesen die Patientensicherheit und die Fehlerprävention weiter voranzutreiben. Der Geschäftsführer der Stiftung für Patientensicherheit, Dr. med. Marc-Anton Hochreutener, zieht folgendes Résumée: „Der Kongress hat gezeigt, dass sich viel tut in der Schweiz.
Immer mehr Gesundheits-Professionals und Institutionen arbeiten aktiv an der Fehlerprävention
Klar ist auch: Fehler in der Gesundheitsversorgung sind nicht ein Problem unsorgfältiger Arbeit von Einzelnen, sondern ein gewaltiges Systemproblem, ein Public Health Problem. Die bisherigen Anstrengungen zeigen vereinzelt Wirkung, insgesamt aber noch zu wenig. Was wir brauchen, sind konzentrierte Anstrengungen auf Ebene Gesamtsystem. Dies braucht verstärkte Führung, Übernahme von Verantwortung für wirksame Verbesserungen, Ressourcen und Konsequenz!“
Stiftung für Patientensicherheit
19.01.2012 - dzu